Die Schiara Wand

Die Schiara Wand Gesendet: 10.08.2015 Gestern bin ich über die Schiara vom Refugio de la Fontane zum Refugio de 7 Alpinisti gelaufen und geklettert. Vor dem Klettersteig war mir etwas mulmig zu Mute, da ich mit dem ganzen Trekking Gepäck unterwegs war. Am Abend vorher hatten wir mit der Wirtin der Hütte die Wetterlagen diskutiert und waren so verblieben, dass wir zum Frühstück um 06:30 schauen wie das Wetter aussieht. Der Aufstieg zur Forcella de Marmol, wo der Klettersteig beginnt, dauerte etwa 3.5 h, das Wetter sah immer noch gut aus, also bin ich nach einer Pause um 11:25 in den Klettersteig eingestiegen. Zunächst führt der Steig etwa 100 Hm aufwärts um dann 800 Hm abwärts zu weisen. Nach 45 min erreichte ich die Biwak-Schachtel, die für Wetterumschwünge Kletterern Schutz bieten soll. Da das Wetter immer noch gut aussah, bin ich weiter hinabgeklettert. Langsam zogen sich Wolken um den Gipfel der Schiara zusammen, aber ich selbst hatte den Gipfelbereich längst verlassen und kletterte in der Sonne. Ich war gerade auf der anspruchsvollen Querung unterwegs, als mich Hagelkörner um 14:15 trafen. “Keep Cool”, sagte ich mir. Wenn ein Gewitter jetzt losbricht, dann so schnell wie möglich fort von dem Stahlseil. Ich beeilte mich um an das Ende des Seiles zu gelangen, dass viel zu früh kam. Einige Meter des Seiles waren weggerostet, so musste ich im Hagel etwa 10 m ungesichert auf einem wirklich schmalen Sims voran kommen. Der Abgrund war mit etwa 8 m genügend tief für Ungemach. Ich schaffte es, auch angetrieben von dem losbrechenden Gewitter. Am Ende der Spalte gab es eine kleine Aushöhlung, zu der ich etwa 2 m hochklettern musste. Ich gelangte in die winzige Höhle und konnte dem Hagel entgehen. Mittlerweile blitzte und donnerte es gewaltig. Zwischen Blitz und Donner lagen 2-3 s, so dass das Zentrum des Gewitters 600 – 1000 m entfernt lag. Der Hagel schlug in extrem starken Regen um. Überall stürzten Fluten von den Steilwänden und bildeten einen reißenden Bach, der tosend talwärts stürzte. Die Intensität des Regens nahm weiter zu, ich konnte höchstens 30 m weit sehen. Da sich um mich herum nur Steilwände mit teilweise über 100 m Höhe befanden, wurden vereinzelt faustgroße Steine von oben hinuntergespült und krachten auf den Sims, auf dem ich Minuten vorher noch stand. In meiner kleinen Höhle war es alles andere als gemütlich, aber ich war relativ sicher. Nach 2.5 h verließ ich mein Refugium als der letzte Donner mehr als eine halbe Stunde zurücklag und der Himmel wieder begann einzelne Strukturen zu zeigen. Der Regen hatte nahezu aufgehört, die Felsen waren nass. Ganz vorsichtig habe ich mich bis zum nächsten Sicherungsseil vorgetastet und mich eingehakt. Ich wusste nicht ob die nassen Felsen unter meinen Sohlen rutschig sind. Meine Schuhe hatten besten halt, so bin ich langsam und hochkonzentriert weitergeklettert und erreichte nach 30 min das Ende des Klettersteigs. Nun habe ich tatsächlich bei meiner letzten alpinen Tour noch ein solches Wetter erlebt. Ein Gewitter im Klettersteig ist kein Vergnügen. Der Klettersteig selbst ist der schönste, den ich bisher geklettert bin. Die Aussichten sind wirklich atemberaubend und die Schiara mit ihrer Schroffheit wunderschön. Teilweise wirken die Felsformen wie moderne Skulpturen, ein echter Genuss hindurchzuklettern , möglichst ohne Gewitter ;-). Zu den Wanderführern wie dem München-Venedig Titel aus dem Rother Verlag kann ich nur sagen, dass sie den Klettersteig sehr verharmlosen. Das schreibe ich, weil einige meiner Blog-Leser kurz davor sind die gleiche Tour zu gehen und sie wissen sollten, was auf sie zukommt. Ich bin kein besonders erfahrener Kletterer, meine alpinen Kletterkurse liegen 27 Jahre zurück. Ich habe immer mal wieder in einer Halle geklettert, aber die letzten Jahre nur sehr sporadisch. Meine Klettersteigerfahrung habe ich in den letzten Wochen in den Dolomiten gesammelt und bin mit der Schiara insgesamt 5 Klettersteige gegangen. Ein Vergleich dieses Klettersteigs mit der Friesenbergscharte, wie im genannten Führer, halte ich für fahrlässig. Im Klettersteig ist echtes Klettern vonnöten und nicht nur ein Festhalten am Seil oder Fels wie in der Scharte. Wer sich mit Klettern noch nicht beschäftigt hat, dem kann ich nur dringend abraten die Schiara als Erstlingswerk zu begehen. An vielen Stellen ist Technik gefragt, beispielsweise gibt es eine vielleicht 15 m tiefe Felsspalte, die seilversichert ist, aber der Fels ist nahezu glatt, es gibt nur sporadisch Tritte. Man muss die gegenüberliegende Felswand miteinbeziehen und breitbeinig diese Stelle überwinden. Auch die lange Querung hat es in sich. Ich möchte keine Angst vor dem Steig schüren, aber ohne Klettervorbereitung kann ich nur jedem abraten den Steig zu gehen, obwohl er wirklich wunderbar ist. Die angehängten Bilder sind wieder vom Handy und zeigen den Blick in die mittelmeerseite der Schiara von der Marmol Scharte aus, sowie Eindrücke aus dem Klettersteig. Die rote Kiste ist die Biwak-Schachtel. Das letzte Bild zeigt die Schiara-Wand heute morgen im Morgendlicht. Durch diese Wand führt der Klettersteig. Von meinem Sony Xperia™-Smartphone gesendet






3 Kommentare

  1. …so, jetzt hast du das gröbste ja bereits geschafft und mit Sicherheit viele tolle Erfahrungen sammeln können ;) …freu mich auch schon auf die schiara mit ihrem klettersteig im kommenden jahr (dann hoffentlich ohne gewitter und hagel ;) )
    …jetzt für dich noch den letzten berg und dann kannst du´s gechillt nach Venedig “ausrollen” lassen, hihihi… ;)
    wünsch dir auch weiterhin ganz viel spaß und tolle Erlebnisse,
    eine schöne zeit,
    tom

  2. Hallo Frank, Deine Schilderung liest sich wie ein Krimi und hört sich nach großem Abenteuer an. Ich wünsche Dir noch viel Spass bei dem Rest Deiner Tour.
    Martin

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